Presseberichte


Unsere Lesereise durch polen, November 2011, erfuhr durch den Text von Mitautorin Barbara Zeitzinger eine sehr gut lesbare Zusammenfassung. Hier ist sie ->


Unser langjähriges und seit 2009 ruhendes Europaweites Leseprojekt blinder Dichter "lyrikbrücken" - siehe auch die website - erfuhr vor kurzem aus Österreich einen ganz besonderen Dank, den ich den Freunden des projekts und meiner website zu lesen gebe. Ich freue mich sehr darüber und bedanke mich bei den Innsbruckern ganz besonders. Lesen Sie hier ->


Zwei Interviews zum Schriftsteller und Projektautor Kebelmann

  1. Mit seinem bisherigen Berliner Verleger M. Fischer,
  2. Mit ihm selbst. In beiden Fällen

Sind es Auszüge aus der Bonner Studentenzeitschrift „zugetextet“,
das erste Interview, geführt von Walther (Stones) in Heft 1/2016,
das mit Kebelmann im Heft 3/2016.

Interview mit dem Berliner Verleger Michael Fischer, geführt von Walther

Mit dem blinden Poeten Bernd Kebelmann verbindet Dich eine intensive und langjährige Zusammenarbeit. Du hast nicht nur sein Projekt „Tastwege“ mit dem Gedichtband „Auf dem Tastweg“, erschienen 2007, sondern auch das Projekt „Lyrikbrücken“ mit einem Lyrikband und fünf Hörbüchern im Jahr 2009 verlegerisch stark unterstützt. Wenn Du diese Projekte in der Rückschau betrachtest, was kann und muss ein Verleger für solch visionäre Kunstprojekte leisten?

Mut muss so ein Verleger haben. Hatte ich auch, aber sicherlich anders, als so manche/r denken mag: Ich fand den Herrn zuerst anstrengend – was ich bis heute denke, nur jetzt ganz, ganz anders –, denn er nahm einen jeden Gesprächspartner unter Totalbeschlag. Dass er das in seiner Situation tun muss, wusste, ahnte ich damals noch nicht so ganz. Immerhin hatte er sein Leben als Sehender begonnen und hatte umlernen müssen, als er mit knapp vierzig erblindete. - So, nun endlich mal positiv formuliert: Bernd Kebelmann hat mir beigebracht, die Welt ganz neu zu sehen – und dafür werde ich ihm immer dankbar sein, denn er sorgte dafür, dass ich endlich auch erklären musste, was ich meinte zu sehen. Da kommt ein geübtes Auge ganz schön ins Schwitzen, wenn es alles, was es sieht, in Worte fassen muss. Und dann – nun endlich! – seine Literatur! Da ist allgemein kein Wort zu viel! Also mal nicht dieses kluge Geschwafel! Ja und schließlich: Mit seinem Lyrikbrücken-Projekt hat er europaweit bedeutende andere Blinde um sich versammelt, denen unsere Aufmerksamkeit zusteht! Entsprechend dankbar bin ich heute Bernd Kebelmann, inzwischen ein guter Freund! Es ist doch toll, wenn ein ständig geben sollender Verleger auch mal einfach nehmen kann!

 

Die „Lyrikbrücken“ sind die Zusammenfassung von mehreren Lesungsreihen blinder europäischer Lyrikerinnen und Lyriker, die in den Jahren 1993 bis 2006 in Deutschland und weiteren Ländern stattfanden. Die Vernetzung europäischer Poetiken war (und ist!) eine Initiative von großem Weitblick. Wenn wir die heutigen Entwicklungen auf unserem Kontinent betrachten, wäre dann eine Neuauflage oder Weiterführung dieses Projektes nicht nötiger denn je?

Aber klar doch! Und wer bezahlt's?

Wie wäre es, in diesem Fall so etwas wie Crowd Funding auszuprobieren? Müssen wir nicht bei Vorhaben solcher Art beginnen, neue Wege zu gehen?

Solch eine Frage kann nur jemand stellen, der es gewohnt ist, im Team zu arbeiten. In der dahlemer verlagsanstalt mache ich bis auf Satz und Druck nahezu alles allein. Und da auch mein Tag nur 24 Stunden hat, muss ich sehen, dass – bei einer sich auch hier immer breiter machenden Verwaltungslast – ich mich mit solch fein klingenden Dingen eben NICHT beschäftige: Es ginge zu Lasten der Qualität „meiner“ Bücher!

Netfinder:
Verlag: http://www.da-ve.de
Bestellung: http://www.zugetextet.com/?page_id=235
Pressebericht: http://www.zugetextet.com/?p=660

                  
Interview mit Autor Bernd Kebelmann

 

Lieber Herr Kebelmann, herzlichen Dank dafür, dass Sie sich bereit erklärt haben, mit zugetextet.com dieses Interview zu führen.

Frage 1: Ich habe von Ihren Projekten und Büchern durch unseren gemeinsamen Verleger Michael Fischer kennengelernt, der die dahlemer verlagsanstalt gegründet hat und leitet. Sie haben in Ihrer Erzählung „Stummfilm für einen Freund“* eine sehr eigene und interessante Sicht auf das Innenleben des DDR-Alltags abgeliefert. Was hat Sie dazu motiviert, Ihre Geschichte so zu schreiben? Was wollten Sie den Lesern vermitteln?
Ich möchte die Leser bitten, sich einen Sinn dafür wachzuhalten, dass es in jeder Krise, jeder Katastrophe, in die ein Land, Teile der Welt immer wieder geraten können, auch Menschen gibt, die es wagen, eigene Träume zu haben; manche nennen es Phantasie, andere Illusion, dritte Utopie. Diese Haltung erscheint oft absurd, aussichtslos und naiv. Ich werde dennoch behaupten, dass es nicht selten die Träumer sind, die weiter denken, uns vorwärts bringen. Zu den bekanntesten Träumern zählen Don Quichote und Christoph Kolumbus. Beide sind bis heute präsent, gleichzeitig soweit fort, dass es nicht leicht fällt zu sagen, wer von beiden gelebt hat und wer der Literatur entstammt. Ähnlich geht es Cervantes und Shakespeare, seinem Zeitgenossen. Eine Biografie hat nur einer von beiden. Niemand weiß heute, wer Shakespeare war, doch dies ändert nichts an seiner welt- und Zeit umfassenden Wirkung.

Frage 2: Wenn man im Internet recherchiert, was der Autor Bernd Kebelmann so macht bzw. gemacht hat, stößt man auf die Projekte „Tastwege“* und „Lyrikbrücken“*. Wir wollen uns in der nächsten Frage mit ersterem beschäftigen. Was gab, neben Ihrer Erblindung, den Anstoß für dieses Projekt, das Sehenden einen einzigartigen und sehr aufschlussreichen Blick in eine neue Rezeption Bildender Kunst vermittelt?
Anfangs war es mein eigenes Staunen darüber, wieviel die Hände begreifen lernen, über den Sinn für das Material und die Oberfläche hinaus. Es war ein gelungener Selbstversuch: mit den Händen die Form zu erfassen, in der Bewegung den Sinn zu erahnen, die Handarbeit des Künstlers lebendig werden zu lassen. Worte dafür zu finden, war ein zweites, beglückendes Tun. So gelang es mir, weiter zu sagen, was ich bei meiner Tastanalyse selbst erfahren hatte. Zahlreiche lyrische Texte entstanden und viele Leseprogramme. Das sehende Publikum wurde auch davon angelockt und verführt. Ihm blieb nichts übrig, als sich im dunklen Ausstellungsraum nahe heran zu tasten, Distanz zu überwinden, die Kunst als Handlungspartner selbst in die Hand zu nehmen. Entdeckungen wurden möglich. Jeder konnte über Kunstwerke sprechen, die bei Licht oft ein Rätsel blieben, einen Kunstexperten verlangten. Zeitgenössische Kunst verlor hier ihr unbegreifliches, eliteres Wesen; wer im Dunkeln tappte, hatte etwas begriffen!

Frage 3: Seit 2008 scheint es keine Veranstaltung unter dieser Projektüberschrift mehr gegeben. Würden Sie dieses Projekt fortsetzen, wenn sich eine Möglichkeit dazu ergäbe? Wie müssten solche Rahmenbedingungen aussehen?

Gern würde ich die „Tastwege“ in einer beliebigen Stadt wieder zum Leben erwecken. Künstler vor Ort sind nötig, die aktuelle Werke zur Verfügung stellen;
es geht ja immer um originäre, zeitgenössische Bildhauerkunst. Ein schlichter Ausstellungsraum von 9 mal 9 Meter oder mehr und etwas Ruhe genügen, dazu 9 bis 12 Skulpturen, Objekte oder ähnliches. Ich suche die Kunstwerke selbst aus. Aber es muss Leute geben, die diese Ausstellung bauen und sie ein paar Wochen lang selbst im Dunkeln betreuen; ich leite die Betreuer aber dazu an.
Wer interessiert sich dafür? Das städtische Kunstpublikum und diverse Gruppen, Schulklassen und Studenten, Behinderte und Senioren und viele andere mehr; wünschenswert ist die Begleitung durch begeisterte Pädagogen; Anregungen für diese Aktivitäten kommen auch von mir. Für die Leseprogramme sorge ich selbst, aber biete Autoren vor Ort die schreibende Mitarbeit an, wenn Interesse besteht. Ähnliches gilt für Musik, Musiker und Komponisten. Immer aber geht es um „Übersetzung der formen Sprache“. Alle Programme und Aktivitäten gehören, soweit möglich und sinnvoll, in den dunklen Ausstellungsraum.
 
Frage 4: Das Projekt „Lyrikbrücken“ lief, zumindest zeitweise, parallel zum Projekt „Tastwege“. Es hat mit seiner europäischen Ausrichtung heute eine erschreckende Aktualität erhalten. Wenn Sie es in der Rückschau betrachten, waren Sie damals vorausschauend oder eher zu euphorisch, was die Idee einer Einheit in der Vielfalt anlangt und darüber, was Kunst zum dauerhaften Brückenschlag zu leisten vermag?

Das Schwierigste bei den „Lyrikbrücken“ war es, die blinden Dichter in ihren Heimatländern überhaupt zu finden, sie um Manuskripte zu bitten, diese zu übersetzen, Geld zu requirieren, um Lesereisen zu organisieren, ein Buch in zehn Sprachen zu drucken. Die Verständigung zwischen den Künstlern ist dagegen nicht schwierig, wenn man Übersetzer an Bord hat.

Frage 5: Würden Sie sich, wenn es gelänge, die Organisation zu unterstützen, bereitfinden, Ihren Brückenschlag wieder aufzunehmen? Wie könnte aus Ihrer Sicht eine solche Initiative aussehen, und was würden Sie eventuell neu und anders machen?

Die „lyrikbrücken“ fortzuführen, ist für mich fast eine moralische Verpflichtung. In Litauen wartet seit Jahren ein blinder dichter darauf, eingeladen zu werden. Ich favorisiere eine Lesung mit ihm und einer blinden Spanierin, die in Köln lebt; ich wäre die deutsche Stimme. Den Dichter einzuladen, erfordert geringen Aufwand; ein Dolmetscher steht parat. Es fehlt leider noch an Geld. Zu rechnen ist mit einer Summe von maximal 10.000 € oder weniger. Je nach Größe des Sponsoring kann die Lesereise gestaltet werden.
Die meisten Lesungen fanden in Deutschland statt, aber auch rund um die Ostsee. Auch eine Dunkellesung in den westeuropäischen Sprachen wäre zu organisieren; noch stehen blinde Dichter zur Verfügung.

Frage 6: Neben Ihrem bewunderungswürdigen Engagement gibt es auch noch den Autor Bernd Kebelmann, der nicht nur die Welt bewegen, sondern bleibende Literatur schaffen möchte. Welches Ihrer Werke liegt Ihnen ganz besonders am Herzen – wenn wir einmal von Ihrem jüngsten Buch absehen?

Ich gehöre zu den Autoren, die Teile ihrer Biografie immer wieder zum Ausgangspunkt ihrer Geschichten machen, nicht aus Eitelkeit, sondern dem Wunsch entsprechend, ein Stück Leben zu dokumentieren, das aus politischen und persönlichen Gründen voller Brüche und Verwerfungen ist. Ein weiterer Grund für die Themenwahl ist meine große Familie. Ich möchte den Kindern und Enkeln ein Stück jener Welt vermitteln, in der ich aufwuchs und leben musste; niemand von uns wird gefragt, in welche Verhältnisse er „hineingeboren“ wird. Auch hat sich die Welt seit meiner Kindheit so radikal verändert, dass ich selbsdt manchmal kaum noch glaube, über Zeitgeschichte zu schreiben.
 
Frage 7: Was hat der Autor und Beweger in Ihnen in der nahen Zukunft vor?

Weitere Bücher zu schreiben; es ist absurd. Aber neben der Gartenarbeit, die Max Frisch sich im alter vornahm, ist das Schreiben die sicherste Tätigkeit, seine Zeit sinnvoll zu verbringen. Auch kenne ich nichts, das mehr Zeit erfordert. Dabei wird mein zentrales Thema mehr und mehr die Krise unserer Umwelt werden. Ich möchte einige Bücher, die in meiner Kindheit beginnen, fortschreiben in die Zukunft, in das Leben der nächsten Generation am Ort. Es ist ein Ort, den es bald nicht mehr gibt, eine Landschaft, die weiter zerfallen wird. Wohin aber ziehen die Menschen von dort, wo finden sie ihren Platz, ein erfülltes Leben?
Aus solchen Fragen könnten auch Arbeiten für den Rundfunk, Hörspiele entstehen, die in naher Zukunft spielen; ein ernstes, ein lebenswichtiges Spiel.

Bernd Kebelmann, Berlin, den 18. März 2016


Aus der Internet-Presse

donnerstag, 6. Februar 2014
Vechta/Niedersachsen


"Im Blickpunkt Theaterbesucher erlebten außergewöhnliche Veranstaltung"

Am 05. Februar 2014 fand im Metropol Theater in Vechta Bernd Kebelmann's Dunkellesung „Blindgänger“ statt.
Unterstützt wurde Kebelmann dabei von Andreas Heuser auf der E-Violine.
Der erblindete Autor las aus seinem gleichnamigen Buch und nahm die Zuschauer mit auf eine beeindruckende Wahrnehmungsreise durch die Dunkelheit.
So schilderte er Alltagssituationen aus seinem Leben, erzählte Geschichten von Liebe und Alltag, in Gedankenbildern und Bildergedanken. Mal euphorisch, mal traurig oder ironisch.
Diese Erlebnisse wurden für die Zuhörer durch den abgedunkelten Theatersaal besonders greifbar. Mit einer gelungenen Kombination aus Musik und Worten gelang es Kebelmann und Heuser zudem
immer wieder, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Eindrucksvoll vor allem Kebelmanns Gabe, Bilder zu beschreiben, ohne dabei auf visuelle Eindrücke wie Farben einzugehen.
Seine Blindheit, so Kebelmann, sei für ihn daher keine Behinderung, sondern eine Begabung.
Nach der Vorstellung ging denn auch so mancher Besucher mit der Erkenntnis nach Hause, dass man das Leben aus vielen und manchmal auch überraschenden Perspektiven „sehen“ kann, selbst in völliger Dunkelheit.


Schwarzwälder Bote - 09.06.2010

Vielfältige poetische Kostproben
Kogge-Autoren weisen Unterschiede und Gemeinsamkeiten auf
Von Wolfram Eitel

[…]
Der blinde Dichter Bernd Kebelmann rezitierte einen Text über seine virtuelle Auseinandersetzung mit dem 1961 verstorbenen Physiker Erwin Schrödinger. Auch Kebelmann ist als Diplom-chemiker von Hause aus Naturwissenschaftler. In den zuweilen überaus makaberen Dialogen dominierten im Wechsel Wissenschaftsfragen so-wie Betrachtungen über Schrödingers Katze und Kebelmanns über alles geliebten Kater Jimmy.
Bernd Kebelmann, als sehender Blinder in der Dunkelheit, entweicht seiner hochemotionalen Tierliebe durch Flucht in die rationale Sachwelt der Physiker.


Requiem für Gran Partita - Eine Rezension von Maja Rehbein (1996)

Eine Rezension von Jürgen Jankowsky

Auf dem Tastweg eine Rezensio von Frank Kukat

Reise bis nach Kambotscha - Buchvorstellung von umd mit Sonny Thet und Bernd Kebelmann

Kebelmanns Werk feiert runden Geburtstag (VA 16.9.09)

Lesung im Malsaal der Cranach-Stiftung in Wittenberg (MZ 5.10.09)



Vernissage der internationalen Stahlskulpturenausstellung in Hamburg, Kunstkirche St. Jakobi. 1. Juli 2008
Bernd Kebelmann (Texte und Sprecher) und Andreas
Heuser (E-Violine) zur Vernissage der
internationalen Stahlskulpturenausstellung in
Hamburg, Kunstkirche St. Jakobi. 1. Juli 2008.



Bernd Kebelmann, Pressefoto, Fotografin Sibylle Ostermann, Waltrop, 2007
Bernd Kebelmann, Pressefoto, Fotografin Sibylle Ostermann, Waltrop, 2007

Mindener Tageblatt
Vlotho
Samstag, 01.03.2008
Eintauchen in die Welt der Blinden
Bernd Kebelmann trägt Texte aus dem Werk des Weltliteraten
Jorge Luis Borges vor
Vlotho (ah). "Der Traum vom Labyrinth zu Babel", mit diesem geheimnisvollen Titel war
die Veranstaltung des Fördervereins der Stadtbücherei am Donnerstag in der
Kulturfabrik überschrieben.
Von Agnes Hart
Es handelte sich um das Buch des blinden argentinischenBernd Kebelman, Foto: Doris Christoph
Lyriker und Weltliteraten Jorge Luis Borges, vorgetragen von dem ebenfalls blinden Bernd Kebelmann aus Waltrop, ein Programm der Vereinigung "Die Kogge" in Minden. Am Rand der Bühne und auf dem kleinen rechts stehenden Lesetisch waren die neun großen Bände ausgebreitet mit ihren hellen dicken Seiten in Brailschrift. Es war, als könne man auch als Sehender eintauchen in die visionäre Welt der Blinden, denn nicht dunkel und gestaltlos ist diese Welt, sondern ungestört von äußeren Sehreizen, erfüllt von Bildern und magischen Symbolen. Untermalt und begleitet wurde der Text des Sprechers und teilweise auch einer unsichtbaren Sprecherin vom Band, oft in der Originalsprache, von Andreas Heuser, Gitarre, und Kazim Calisgan, Saz und Trommel. Insbesondere die türkische Langhalslaute Saz mit ihrem silbrigen Klang, von Kazim Calisgan in zwei Größen gespielt, unterstützte die Vorstellung der ungewohnten Bilder. Da war vor allem die riesige Bibliothek, sowohl in die Tiefe als auch nach oben unabsehbar reichend mit sechseckigen Räumen, angefüllt mit Regalen voller Bücher. Die Bibliothek von Babel ist das Universum sämtlicher Literatur in den unzähligen Sechsecken.
Und dennoch, alle aus den wenigen Schriftzeichen erstellt, ist doch jedes einzigartig. "Ein Buch ist eine der Möglichkeiten des Glücks, die der Mensch hat." In Büchern sind die Träume eingefangen, in denen unsere Vergangenheit bewahrt ist, und sie sind wirklicher als die so genannte Realität, die nur eine Fiktion ist, die es eigentlich gar nicht gibt. Für nicht unwahrscheinlich hält es der Autor, dass es in irgendeinem der Regale das totale Buch gibt und einen Menschen zu irgendeiner Zeit, der es gelesen hat.
Vorherrschend in den Symbolen sind ein immer wieder auftauchender indischer Tiger und der Mond. "Ars poetica", so heißt die Kunst, die derartige Gedanken hervorbringt und in die Stille fallen lässt. Denn ganz still, ja fast andächtig lauschten die Zuhörer dieser Sprache. Mit wenig Bewegung, aber gerade deshalb sehr eindrucksvoll durchmaß Bernd Kebelmann den vorderen Bühnenraum sprechend und zuhörend, wechselnd zwischen sitzen, stehen und vor den Büchern knieen, während seine Finger über die Zeilen glitten. Am Ende saß er zwischen den Bänden, die er nach einander zuklappte. Es war eine äußerst eindrucksvolle Performance.


E-Mail von zwei Zuschauern der Theaterabende im Katakomben-Theater Essen:
Lieber Herr Kebelmann ,

wir waren am Samstag in Essen in den "Katakomben" . Die dort von Ihnen und Ihren Mitspielern dargebotene Mischung aus Licht,Musik, Text und Darstellung hat uns emotional ziemlich berührt , Auge und Ohr erfreut und uns "Nahrung" für weiteres Nachdenken gegeben. Es hört sich blöd an,aber es war so : wir waren verzaubert von dem Spiel. Vielen Dank auf diesem Wege für den schönen Abend ! […] wir sind sehr froh , daß wir die Gelegenheit hatten, Ihr Lesetheater zu besuchen.
Für Sie alles Gute -held og lykke - nochmals vielen Dank und wir freuen uns schon auf das nächste Zusammentreffen mit Ihnen.
Herzliche Grüße,

Renate Stachetzki und Klaus-Peter Kelnberger
(Gelsenkirchen und Bottrop /44 und 62 Jahre )



„Vlothoer Anzeiger” Nummer 257 . Samstag, 5. November 2005

Im Blindflug um die Erde

Vorlesung im Dunkeln: Blinder Autor Kebelmann fasziniert Publikum

Der blinde Autor Bernd Kewelmann und der Geiger Andreas Heuser schenkten dem Publikum eine ungewöhnliche Veranstaltung in Form einer Dunkellesung.

Von Gisela Schwarze
Vlotho (G.S.).

Dass eine Lesung buchstäblich wie im Flug vergehen kann, erfuhren die Zuhörer am Donnerstagabend in der Kulturfabrik. Das Besondere: In diesem Fall war es ein Blindflug. In totaler Dunkelheit trug nämlich der blinde Autor Bernd Kebelmann, begleitet von
Geiger Andreas Heuser, auf Einladung des Stadtbücherei-Fördervereins aus
seinem Werk vor.
Heidrun Stemmer, die gastgebende Fördervereins-Vorsitzende, begrüßte den höchst erwartungsvoll gestimmten Zuhörerkreis bei äußerst spärlicher Beleuchtung. Anschließend erlosch auch dieses schwache Licht und der rabenschwarze Raum war bereit für ein außergewöhnliches Klang-Sprach-
Erlebnis. Ferne sphärische Klänge mit Vogelgezwitscher umsäuselten
das Publikum, bevor mit einem donnernden Paukenschlag der
Auftakt zur Lesung erfolgte.
Bernd Kebelmann berichtete von einem unternehmungslustigen, wissensdurstigen Mann, der den
Mars bereiste und dort nichts von dem fand, was er suchte.
Erfolglos kehrte der Reisende vom roten Planeten zum blauen
zurück und setzte sein unstetes Leben auf der Erde fort, indem er
die fünf Kontinente erkundete. In Afrika, in Ägypten fand der Romanheld Laila, die ab dann das Nomadenleben mit ihm teilte.
Eine regelrechte Bestandsaufnahme der natürlichen Ressourcen aller
Erdteile erfolgte in den spannenden Reisebeschreibungen. Mit seiner
Violine bereicherte Andreas Heuser die ungewöhnliche Lesung in einzigartiger Atmosphäre immer wieder musikalisch. Nur das Gehör war gefragt und dadurch wurden die Zuhörer in die Lage versetzt, mit den Augen eines Blinden zu sehen.
Die individuelle Vorstellungskraft malte jedem Einzelnen die Reiseerlebnisse der beiden Weltreisenden aus. Bernd Kebelmann und Andreas Heuser beeindruckten derart, dass die zum Schluss der
Veranstaltung angebotenen vorrätigen CDs in Windeseile verkauft waren.





An Blindheit stirbt man nicht

An Blindheit stirbt man nicht
An Blindheit stirbt man nicht

 

An Blindheit stirbt man nicht

An Blindheit stirbt man nicht

In der grünen Oase seiner Dachgeschosswohnung lebt und arbeitet der 58-jährige Bernd Kebelmann. Eine Autoimmunerkrankung raubte dem Autor nahezu vollständig das Augenlicht.

Bernd Kebelmann hadert nicht mit seinem Schicksal. In Dunkellesungen führt der Autor Sehende in die Welt des konzentrierten Hörens ein. Rösselsprung als Methode für das Training der Gedanken
Bernd Kebelmann ist fast blind, doch er geht mit offenen Augen durch die Welt. Der Mann hadert nicht mit seinem Los. Er hat es nicht nur angenommen, sondern auch ins Positive gewendet. Kebelmanns Charakter und Willensstärke äußern sich in Sätzen wie diesem: "Ich habe immer versucht, dem Schicksal einen Schritt voraus zu sein."
Geschrieben habe er schon in jungen Jahren. Mit fortschreitender Erblindung, begründet in einer Autoimmunerkrankung, immer mehr. Heute so oft und solange es seine Gesundheit erlaubt, sagt der blinde Dichter, der in seinem früheren Leben Diplom-Chemiker war. In der grünen Oase seiner Dachgeschosswohnung redet der 58-Jährige gestenreich über seine Literatur und seinen Alltag. Breit gefächertes Wissen und Lebensweisheit spiegeln sich in seinen Worten. Geboren in Rüdersdorf, östlich von Berlin, sind die DDR und die Stasi naturgemäß Themen seiner Schriften - allerdings nur ein kleiner Ausschnitt des umfangreichen Spektrums. "Es gibt noch viel erlebte Geschichte aufzuarbeiten", so der Autor. Kebelmann ist nicht nur Verfasser von Büchern, Hörbüchern und zahlreichen Beiträgen für Rundfunkanstalten, er baut auch grenzüberschreitende "Lyrikbrücken" mit mehrsprachigen Lesungen blinder Dichter und führt das Publikum in die Welt des konzentrierten Hörens. "In den Dunkellesungen will ich den Leuten nicht die Blindheit vorführen, sondern ihre Fantasie ansprechen und in der gesteigerten Konzentration die eigenen inneren Bilder in ihnen aufsteigen lassen", sagt der Schreiber sinnintensiver Texte, der in seinem Projekt "Tastwege" das Publikum auf ungewöhnliche Art und Weise mit bildender Kunst in Kontakt bringt.
"Blindheit ist hart, aber daran stirbt man nicht", sagt Kebelmann, der einem früh an Krebs gestorbenen Freund ein Werk widmete. Wer vor der ersten hohen psychologischen Hürde nicht resigniere und die Unterstützung einer Familie habe, könne sein Handicap meistern. "Mein Tiefpunkt war das Outen durch den Stock", berichtet er, "obwohl ich weiß, dass man das nicht vergleichen kann, habe ich ahnen können, was Juden gefühlt haben müssen, als sie mit dem Davidsstern in die Öffentlichkeit gingen. Heute ist der Langstock mein liebster Begleiter." Der Blinde müsse allerdings auch den Mut haben, Menschen anzusprechen und um Hilfe zu bitten. "Meine negativen Erfahrungen sind an einer Hand abzuzählen", sagt der Mann, der den Verlauf von Autobahnstrecken und das Berliner U-Bahnnetz im Kopf hat. "Das funktioniert über ein grafisches System", erläutert Kebelmann und spricht von Gedankentraining, beispielsweise beim Telefonieren. "Meine Methode ist der Rösselsprung."
In seiner Wohnung braucht er keinen Stock. Wie ein Sehender führt er den Gast zum Computer, an dem er täglich sitzt. Unterhalb der Tastatur befindet sich eine weitere mit Blindenschrift. "Die benutze ich nur selten, hauptsächlich zum Korrigieren", so Kebelmann. Das Gerät spricht in einer solchen Geschwindigkeit, dass der Ungeübte kein Wort versteht. Zur Zeit entsteht das Manuskript mit dem Arbeitstitel "Bayon oder Lied vom Mangobaum", aus dem Kebelmann bereits öffentlich gelesen hat.Es gibt noch viel erlebte Geschichte aufzuarbeiten

17.04.2006   Von Wolfgang Vanscheidt
Foto: WAZ, Thomas Schild



Vorankündigung aus „Vlothoer Zeitung” vom 1. November 20 (PDF)

Im Blindflug um die Erde aus „Vlothoer Anzeiger” vom 5. November 2005 (PDF)



Lyrikbrücken 2006 -VI. Lichtmeere, Alpträume, Glücksmomente

1. 05.2006,E-Mail Sopot - Weimar,K.Horn.pdf
2. 16.05.06,PL,StettinerKurier,Meere,Träume,Momente.pdf
3. 17.05.06,Kiler Express,Lyrik an einem dunklen Ort.pdf
4. Pressemitteilung Nr. 06-09-04-323 vom 04.09.2006

Hörbeispiele

Lyrikbrücken 2005

V. Wortwurzeln, Baumsilben, Sprachlandschaften
1. 11.03.05,Kiel, Lichtes Lauschen.pdf
2. 11.10.05,PL,TP,Interview.pdf
3. 15.03.05,PL,TP,Im Geflecht einer Multisprache.pdf
4. 1.04.05,PL,PS,Tanzend in der Dunkelheit.pdf

Hörbeispiele

Aus FOCUS Nr. 48 (2001)

Fokus – Bericht zum Festival behinderter Künstler im Münchener Gasteig;
Begnadet und geschlagen
Erstmals treten behinderte und nicht behinderte Künstler gemeinsam auf
Von FOCUS-Redakteur Markus Krischer

Ihn habe es damals „im Leben erwischt“. Vor 20 Jahren erblindete der heute 55-jährige Bernd Kebelmann. Der studierte Chemiker beurteilt die Folgen seiner
Krankheit pragmatisch: „Ich habe Zeit gewonnen.“ Zeit auch für eine Begabung, die inzwischen seine Profession ist: Kebelmann schreibt Gedichte.
Bei dem bundesweit einmaligen Festival „einzigart“ wird Kebelmann am nächsten Wochenende in München zu sehen sein. Genauer: Er wird nicht zu sehen sein.
Der Lyriker wird seine Texte in einem lichtlosen Raum vortragen. Das dann blinde Publikum hört zu Kebelmanns Gedichten die Celloklänge des nicht behinderten
Musikers Sonny Thet. [gemeinsamer Auftritz am 2. Dezember 2001]

Das revolutionäre Konzept des dreitägigen Events (1. bis 3.12.) im Münchner Kulturtempel Gasteig: Behinderte und nicht behinderte Künstler treten gemeinsam
auf. So liest Peter Radtke, der als Schauspieler im Rollstuhl schon mit George Tabori und Franz Xaver Kroetz arbeitete, aus dem Buch Hiob. Die Rede des
Mannes mit den Glasknochen begleitet eine Harfinistin. Kein Nichtbehinderter, so Festival-Organisatorin Elisabeth Michel von der Münchner Volkshochschule,
könne die archaische „Anklage gegen Gott“ so lesen wie der begnadete, vom Schicksal auch geschlagene Radtke.
Als Mitleidsshow wäre das Festival missverstanden. Michel: „Die Künstler präsentieren nicht ihre Behinderungen, sondern ihre Begabungen.“ Das Publikum solle die „einzigartigen Talente“ der Artisten würdigen.
Deutschlandweit einmalig ist die autistische Theatertruppe, die seit drei Jahren unter der Leitung der nicht behinderten Schauspielerin Anne Ziegler-Weispfennig
arbeitet. In München, verspricht Ziegler-Weispfennig, werden sich wohl einige über das Können und die Leidenschaft ihrer neun Extrem-Mimen „wundern“.
Zu den Berühmten zählt Klaus Kreuzeder längst. Der Saxofonist im Rollstuhl spielte schon mit Al Jarreau, Sting und Stevie Wonder. Bei „einzigart“ begleitet
ihn die Band des als „Tatort“-Kommissar Ivo Batic bekannten Schauspielers Miroslav Nemec. Der TVKriminaler, der Musik studiert hat, wird in München am
Keyboard stehen.

Berührungsängste gegenüber Kreuzeder hat Nemec nicht. Der Saxofonist sei schlicht ein „vollwertiger Musiker“. Den hebe man „auf die Bühne“ – danach brauche Kreuzeder jedenfalls keine Hilfe. Nemec locker: „Ich bin Gelegenheitsmusiker. Er ist der Profi.“  

 

 


Lyrikbrücken 1999/2000

IV. Nachricht von Hand und Zunge
1. 28.09.99,Leserbrief,MT,Etwas andere Sicht.pdf
2. 2000,CZ,Kritik,Josef Hruby.pdf

III. Mein Land, meine Haut, meine Grenzen
1. 23.12.98,Kölner Stadtanzeiger, Lyrik bei völliger Dunkelheit.pdf



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